Steffen Fetzner, Produktmanager bei DONIC im Interview

Der frühere Doppel-Weltmeister Steffen Fetzner, heute Produktmanager bei DONIC, im Interview

Kunstfasern sind der Trend

Herr Fetzner, alle Welt spricht von der Corona-Krise. Wie übersteht man als großes Unternehmen der Tischtennisartikel-Industrie eine solche Zeit?
Indem man breit aufgestellt ist. Das war unser großes Plus: Dass wir nicht nur von Hölzern und Belägen im Wettkampfbereich abhängig sind, sondern gerade in dieser Zeit viele Freizeit- bzw. Wettkampftischetische und Roboter verkauft haben und im Freizeitbereich stark zugelegt haben. Wobei dieser Bereich bei uns im Wesentlichen über Schildkröt gemanagt wird. Es gibt eine schon langjährige Kooperation zwischen DONIC und Schildkröt, und das halte ich auch für den richtigen Weg, denn man kann sich nur auf einen Weg hundertprozentig konzentrieren. Trotzdem haben auch wir eine Auswahl an Hobbyschlägern und Freizeittischen im Angebot, und die waren während des Lockdowns sehr stark nachgefragt. Unterm Strich kann man sagen: Die Krise hat uns schon getroffen, aber wir konnten damit noch gut umgehen.

Gab oder gibt es denn Lieferengpässe, beispielsweise bei Artikeln aus China?
Das hat sich stabilisiert. Anfang des Jahres gab es kleinere Engpässe, aber wir haben ein gutes Lager und gut disponiert, sodass wir nie mit größeren Rückstanden arbeiten mussten. Und wir haben ja verschiedene Lieferanten, wir haben auch unter anderem Produzenten in Deutschland und Schweden. Wie schon gesagt: Es hilft, breit aufgestellt zu sein.

Hat die Zwangspause Ihnen die Gelegenheit geboten, sich mehr mit Neuentwicklungen zu beschäftigen?
Wir beschäftigen uns eigentlich ständig mit Neuentwicklungen, sowohl bei Hölzern als auch bei Belägen. Bei Hölzern ist ja schon seit längerem der Trend zu Kunstfasern da, seit einer Weile auch ein Trend von verschiedensten Kombinationen von Holzfurnieren mit Kunstfasern, die unterschiedlich angeordnet werden können. Damit haben wir uns viel beschäftigt. 

Mit welchem Ergebnis?
Wir haben zwei neue Hölzer im Programm, die ich sehr spannend finde. Zum einen das DONIC Elite aus Schweden. Das ist ein richtig schnelles, sehr dynamisches Offensivholz. Wir sagen, das ist schon ein Kraftpaket, aber das muss man auch kontrollieren können. Mit dem DONIC Relevant haben wir zudem ein neues Holz, das absolut auch für Spieler geeignet ist, die kein so hohes Niveau haben, die aber auch von den Vorzügen profitieren wollen, die Carbonhölzer bringen.

Welche Vorzüge sind das denn? Früher dachte man ja, Carbon macht ein Holz nur härter und schneller.
Ja, früher dachte man so. Zu den Vorzügen gehört aber auch, dass das Holz einen größeren Sweetspot hat, die Kontrolle also besser wird. Das Ballgefühl ist ja auch ganz wichtig. Heute unterscheidet man zwischen einer Reihe verschiedener Kunstfasern, auch im Carbonbereich. Und man hat gelernt, dass die Platzierung der Carbonschicht eine wesentliche Auswirkung darauf hat, wie sich die Spieleigenschaften des Holzes ändern: Wenn man das Carbon direkt unterm Außenfurnier platziert, wird das Ganze schneller und härter. Platziert man es neben dem Innenfurnier, wird das Holz hingegen etwas weicher und kontrollierter.

Stimmt es, dass die Carboneinlage das Holz auch besser haltbar macht?
Ja, das stimmt. Und das ist auch wichtig, denn für das Aufziehen der Beläge werden mittlerweile Kleber, die auf Wasserstoffbasis aufgebaut sind, verwendet, die deutlich flüssiger sind als die früheren. Die Flüssigkeit dringt teilweise ins Holz ein und macht es weicher und bruchempfindlicher. Da schützt die Carbonfaser.

Es gab ja schon Vorstöße seitens der Hersteller, dass die ITTF die Regeln ändern und den unbeschränkten oder wenigstens deutlich erweiterten Einsatz von Kunstfasern bei der Schlägerproduktion erlauben sollte, aber noch immer gilt, dass das Schlägerblatt zu mindestens 90 Prozent aus Holz bestehen muss. Weshalb tut sich der Weltverband mit einer Öffnung so schwer? Würden Sie als Hersteller eine Freigabe nicht auch begrüßen?
Wir fänden das nicht unbedingt besser. Man müsste da erst Untersuchungen anstellen: Wie wirkt sich das aus? Wird das Spiel noch schneller? Die ITTF hat auch schon Untersuchungen angestrengt, aber man ist sich da noch nicht ganz einig, und natürlich will man vermeiden, dass am Ende die Nachteile überwiegen und das Spiel unkontrollierbar schnell wird.

Noch wichtiger als das Holz sind ja nach allgemeiner Auffassung die Beläge. Was tut sich denn auf dem Belagsektor?
Auch da gibt’s einen Trend: Man versucht, den Verlust der Rotation, den der Plastikball gebracht hat, dadurch zu kompensieren, dass man etwas griffigere oder klebrigere Obergummis produziert. Klebrige Obergummis gab’s zwar früher auch schon, aber nur bei klassischen chinesischen Belägen mit sehr harten Schwämmen. Jetzt gibt es sie in Kombination mit einem Tension-Schwamm, in den der frühere Frischklebeeffekt schon eingebaut ist. Bei DONIC ist das die BlueGrip-Serie, die mit dem R1 und V1 begonnen hat. Unsere neuesten Modelle, der BlueGrip C1 und der BlueGrip C2, sind echte Highlights, das Spielgefühl ist jetzt deutlich besser und dynamischer.

Wenn man noch nie einen Belag mit einer klebrigen Oberfläche gespielt hat, ist das dann eine große Umstellung?
Es ist schon eine Umstellung, aber es kommt auch darauf an, mit welchem Schwamm man das kombiniert. Der BlueGrip C1 ist schon sehr hart, der C2 ist deutlich weicher. Und der R1 und V1 aus der Vorgänger-Serie sind etwas leichter zu spielen. Der C2 ist aber jetzt schon sehr gut nachgefragt, er war innerhalb sehr kurzer Zeit ausverkauft.

Wenn man schon mal mit einem früheren Weltmeister reden kann, wüssten wir zum Abschluss gern noch: Spielen Sie eigentlich noch aktiv?
Ich bin zumindest gemeldet (lacht), aber letzte Saison habe ich wegen einer Rückenverletzung nur ein Spiel gemacht. Mein Team vom Oldenburger TB ist aber aufgestiegen in die Regionalliga, und da werde ich auch das eine oder andere Spiel machen. Und ich bin mit diesem Verein auch Deutscher Seniorenmeister Ü50 geworden. Ganz wichtig ist mir: Ich teste regelmäßig, nämlich fast jede Woche, Material in unserem Shop – übrigens auch zusammen mit DONIC-Geschäftsführer Frank Schreiner. Auch wenn ich nur noch vergleichsweise niederklassig spiele: Ich will dem Tischtennis und Wettkampfsport schon verbunden bleiben und wissen, was los ist und wohin die Entwicklung geht.

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